Du durchsuchst gerade das Tag-Archiv des 'Bus Tags.

Als ich heute Nachmittag nach der Schule in den Bus gestiegen bin, traf ich in ebendiesem auf eine Gruppe zünftig gekleideter Menschen, die mein geschultes Auge schnell als Handwerksgesellen auf Walz, also auf der Wanderschaft, erkannte.
Neugierig wie eh und je konnte ich mich natürlich nicht zurückhalten und kam schnell mit einigen ins Gespräch, mein Sitznachbar stammte beispielsweise aus Düsseldorf und seit zwei Jahren auf Walz.

Schwer beeindruckt von dieser neuen Bekanntschaft und der Tatsache, dass ich zum ersten Mal jemanden getroffen habe, der auf Walz ist, musste ich mich gleich mal informieren. Den Wikipedia-Artikel hab ich direkt schon verinnerlicht und bin jetzt ein wenig schlauer geworden.

Ohja, schon wieder haben sich zuvor noch nie dagewesene Dinge in meinem Leben ereignet und wieder dreht es sich um den Schnee!

In Kaiserslautern herrscht Streusalzmangel. Das soll nicht nur hier passiert sein, aber anscheinend hat unsere Stadt das größte Problem damit, das Stadtgebiet + Umland zu streuen, denn freitags habe ich ganze zwei gestreute Straßen gesehen: Eine der vier-/sechsspurigen Hauptstraßen und die Zufahrt zum Krankenhaus! Also echt, Hut ab dafür.

Die Folgen davon? Eine Art Kettenreaktion, die am Donnerstag begann. Morgens stieg ich noch in den Bus und dachte: “Vielleicht fällt heute ja mal die Schule aus, es schneit ja ganz schön stark…”  Naja, das Übliche eben. Und ich sollte tatsächlich Recht behalten (Nehmt das, all diejenigen, die meine Theorie morgens noch lachend abgetan haben, ha!), der Unterricht fiel wirklich aus!
Mein Nachhauseweg dauerte dann über eine Stunde, was indirekt mit widerlichen, verabscheuungswürdigen, miesen, fiesen, kleinen Dreckskindern liebenswerten Fünftklässlern und einem Bus, der im Anschluss daran kaputt war, zu tun hatte. Aber im Gegensatz zu einigen Leuten aus dem Umland kam ich wenigstens nach Hause…
Am Nachmittag war der Busbetrieb so mit dem Schnee überfordert, dass der gesamte Busverkehr im Umland eingestellt wurde – Gott sei Dank wohne ich in der Stadt! – und von da an war abzusehen, dass am Freitagmorgen in der Schule auch nicht fiel laufen würde.
Trotzdem habe ich mich freitagsmorgens aus dem Bett gequält und mich in die Schule geschleppt – Fazit: Ich habe selten einen so unnötigen Tag erlebt! Im Chemie-Unterricht waren wir immerhin acht von 17 Schülern, und das spiegelte im Großen und Ganzen die Schülerzahlen der gesamten Schule an dem Morgen dar. Und dann kam auch endlich die langersehnte Durchsage: Schon wieder Schulfrei! :)

Und all das ändert nicht im geringsten etwas an der Tatsache, dass ich den Schnee blöd finde. Den könnten wir ja nach Kanada schicken, bei den olympischen Spielen scheinen sie den ja zu gebrauchen…

Als Stadtkind bin ich generell eine Vertreterin der Theorie, dass in der Stadt wohnen die coolste Art zu Leben ist. Und das Leben am Stadtrand, jedoch nur zehn Minuten vom Zentrum entfernt, hat auch einen riesigen Vorteil, nämlich die Tatsachen, dass auf öffentliche Verkehrsmittel angewiesen und gleichzeitig mobil sein, sich nicht widersprechen.

Allerdings gibt es auch einige Zeiten im Jahr, an denen ich den Viertelstundentakt des Busses und die Bushaltestelle direkt vor der Haustür gerne gegen das Leben in irgendeinem Kaff irgendwo am Ende der Welt eintauschen möchten, nämlich

1. wenn die öffentlichen Verkehrsmittel streiken
oder
2. wenn es  stürmt und schneit.

Und heute Morgen ereignete sich dann tatsächlich etwas noch nie Dagewesenes in meiner bisherigen gymnasialen Laufbahn:
Ich stand pünktlich um halb 8 vor der Haustür und wartete auf den Bus, um die 8-minütige  (bei morgendlichem Verkehr meistens jedoch 15-minütige) Reise in die Stadt anzutreten, welche dann aber aufgrund der spiegelglatten Fahrbahn eine geschlagene halbe Stunde dauerte. Hinzu kommt auch noch, dass der Bus stolze 10 Minuten (was, wenn man bedenkt, dass er alle 15 Minuten fährt, doch beachtlich ist) Verspätung hatte, also war ich erst gegen 10 nach Acht in der Schule.
Und endlich erlebte ich den Augenblick, auf den ich schon seit über sieben Jahren und genau so vielen Wintern wartete: Ich betrat zu spät den Saal, in dem mein Mathekurs schon saß, und sagte: “Entschuldigen Sie die Verspätung, aber mein Bus hatte ein paar Probleme!”

Da habt ihr es, alle die irgendwo am Ende der Welt wohnen, als Stadtkind kann man das auch!

Follow

Bekomme jeden neuen Artikel in deinen Posteingang.